Am Mittwoch, den 15.12.2010 wurden die Kopfnoten in NRW endlich wieder abgeschafft. Kopfnoten sollten zum Anpassertum im Interesse der Unternehmen erziehen. Aber auch in der Schule sollten Jugendliche, die kritisch mit den Lerninhalten umgehen, also nicht unbedingte “Kooperationsbereitschaft” zeigen, abgestraft werden können. Doch die SchülerInnen haben sich nicht gegeneinander auspielen lassen und veranstalteten zahlreiche Proteste, wie Info-Aktionen, Schulstreiks, Schulbesetzungen und Blockaden. Gemeinsam haben sie diese demokratische Errungenschaft erkämpft.
Doch einige Direktoren, wie Joachim Blümer, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule und Realschulsprecher, verhalten sich noch immer feindlich gegenüber den SchülerInnen und auch gegenüber ihren KollegInnen. Er sagte am Donnerstag, den 16.12.10 in einem Gespräch mit dem Tageblatt, die Abschaffung der Kopfnoten wäre “eine Katastrophe“. Denn Blümer sieht nämlich sogar Vorteile in den Kopfnoten. „Schüler können so ein Leistungsdefizit ausgleichen“, ließ er im Tageblatt schreiben. Frei nach dem Motto: “Verdummt und ungebildet, aber folg- und strebsam!” Solche Schüler sind höchstens geeignet, um sie in Niedriglohnjobs einzusetzen, in denen sie sich noch nichtmal über schlechte Arbeitsbedingungen beschweren, da sie ja so folg- und strebsam sind. Der Vorteil, den Blümer hier sieht, ist also der Vorteil der Unternehmen, jedoch dadurch auch der Nachteil der Schüler- und LehrerInnen.
Ingeborg Friege, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule sagte im Tageblatt über die Kopfnoten: “Für Arbeitgeber seien sie zwar ein wichtiges Indiz. Aber für uns als Kollegium ist es eine Erleichterung, wenn sie wegfallen.” Wir als SDAJ Solingen bedanken uns für diese wahren Worte und finden es gut, dass Frau Friege sich als Teil des Kollegiums versteht und somit zumindest für das Interesse ihrer KollegInnen an der Abschaffung der Kopfnoten eintritt.
Des weiteren werden Infotische des Bildungsstreikbündnisses folgen. Die Schüler sollen durch die Infotische über das erkämpfte Recht aufgeklärt werden, damit sie sehen können, dass ein solcher Kampf erfolgreich seien kann. Gleichzeitig sollen sie aber auch lernen, dass diese Errungenschaften immer wieder gegen solche Herr Blümers verteidigt werden müssen und dass längst nicht alle Forderungen erfüllt wurden. Vor allem wurden solche Forderungen nicht erfüllt, die Geld kosten. Denn die Stadt, das Land und der Bund haben kein Geld, da sie alles für Steuersenkungen für Hotels, den Verzicht auf die Vermögenssteuer, das kleinhalten der Erbschaftssteuer, “Rettungspakete” für Banken und Konzerne, Senkung der Unternehmenssteuern und Militärausgaben rausgehauen haben. Kleinere Klassen wird es erst geben, wenn das Geld für genug Klassenräume, gut ausgebildete und gut bezahlte LehrerInnen da zurückgeholt wird, wohin es massenhaft verschenkt worden ist. Genauso sieht es mit der Forderung nach kostenloser Bildung aus. Auch der Einfluss der Wirtschaft auf Schulen kann nur dadurch beendet werden, dass die Schulen von ihrer finanziellen Abhänigigkeit befreit werden. Und auch bezüglich G8 sieht es so aus, dass eine Abschaffung eine ein Jahr längere und somit stressfreiere Bildung bedeutet, aber gleichzeitig auch ein Jahr länger für die Bildung der SchülerInnen bezahlt werden müsste.
Wir geben uns nicht mit der Abschaffung der Kopfnoten zufrieden, aber feiern diesen Erfolg, den wir ab nun immer wieder verteidigen wollen.
Deshalb fordern wir weiterhin:
-Eine Schüle für alle – weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem!
-Kostenlose Bildung für alle!
-Mehr LehrerInnen, kleinere Klassen!
-Gegen Schulzeitverkürzung! Gegen G8!
-Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf Schulen!
-Schluss mit Repressionen gegen SchülerInnen!
-Für eine demokratisierung des Bildungssystems!